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Gemüse im Kuchen: Warum das keine Notlösung, sondern richtig gut ist 

Karottenkuchen kennen die Meisten. Aber Rote Bete in Brownies, Zucchini im Schokokuchen oder Kürbis im Rührteig? Da stellt sich schnell die Frage: Muss das sein? Schmeckt man das Gemüse? Und ist ein Gemüsekuchen am Ende gesünder?

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht lohnt sich ein genauerer Blick, denn Gemüse im Gebäck hat tatsächlich Vorteile. Es hat aber auch Grenzen, die man kennen sollte.

Ein berühmter Klassiker ist der Bubikopf: Gartenkresse in der Eierschale

Gemüse im Kuchen - keine neue Erfindung

Vorab: Gemüsekuchen sind kein Trend der letzten Jahre. Karottenkuchen, Kürbisbrot oder Zucchinikuchen werden seit Generationen gebacken. Früher stand dahinter oft ganz praktisches Denken: Zucker, Butter und Eier waren wertvoll, Gemüse aus dem Garten dagegen reichlich vorhanden. Wer Gemüse in den Teig gab, bekam einen saftigen Kuchen und konnte Zutaten sparen. Die Idee existiert heute ebenso, nur meist aus einem anderen Grund: Viele Menschen möchten weniger Zucker essen, saisonale Lebensmittel nutzen und neue Kreationen ausprobieren.

Was bringt Gemüse im Kuchen?

Gemüse verändert den Teig auf mehreren Ebenen: 

  • Saftigkeit: Gemüse enthält viel Wasser und bindet Feuchtigkeit. Der Kuchen bleibt länger weich, und oft kann dadurch auch etwas Fett eingespart werden.
  • Natürliche Süße: Rote Bete, Karotten oder Kürbis bringen eine eigene Süße mit. Die Zuckermenge im Rezept lässt sich häufig reduzieren, ohne dass der Kuchen an Geschmack verliert.
  • Ballaststoffe: Sie sättigen länger, unterstützen die Verdauung und tragen zu einer gesunden Darmflora bei. Außerdem verlangsamen sie den Blutzuckeranstieg im Vergleich zu reinem Zucker und Weißmehl.
  • Mineralstoffe und Pflanzenstoffe: Je nach Sorte liefert Gemüse zum Beispiel Kalium, Folat oder sekundäre Pflanzenstoffe. Die Rote Bete enthält unter anderem Betalaine, die für ihre intensive Farbe verantwortlich sind.
  • Saisonalität und Resteverwertung: Wurzelgemüse und Kürbis haben im Herbst Saison. Auch Gemüse, das im Kühlschrank etwas schlapp geworden ist, lässt sich im Kuchen gut verwerten.
Ein berühmter Klassiker ist der Bubikopf: Gartenkresse in der Eierschale

Schmeckt man das Gemüse?

Frau auf Massageliege

Meist schmeckt man das Gemüse nur sehr dezent. Gerade in Schokoladenkuchen wird der leicht erdige Geschmack der Roten Bete oder Zucchini durch den Kakao überlagert. Zurück bleibt eine angenehme Tiefe, die den Kuchen besonders saftig und schokoladig wirken lässt. 

Damit das Ergebnis gelingt, helfen ein paar einfache Dinge:

  • Das Gemüse gut garen (kochen, dämpfen oder im Ofen backen), bis es weich ist
  • Fein pürieren, damit keine Stücke im Teig bleiben
  • Das Püree gut abtropfen lassen, damit der Teig nicht zu feucht wird
  • Hochwertigen Kakao verwenden, denn er trägt den Geschmack
  • Eine Prise Salz und etwas Vanille runden das Aroma ab

Was oftmals falsch verstanden wird

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, ein Gemüsekuchen sei automatisch ein gesundes Lebensmittel oder ersetze eine Gemüseportion. Das stimmt so natürlich nicht ganz. Die Menge an Gemüse im Teig variiert je nach Rezept sehr und ist oftmals im Verhältnis zu Mehl, Zucker und Fett gering. Natürlich gibt es aber ebenso Gemüsekuchen-Rezepte, welche gar keinen raffinierten Zucker enthalten oder über einen hohen Gemüseanteil verfügen und so eine tatsächlich deutlich gesündere Variante darstellen.

Auch die Garzeit spielt eine Rolle: Hitze lässt manche Vitamine, zum Beispiel Folat, teilweise verloren gehen. Gemüsekuchen sind daher kein Ersatz zu Gemüse auf dem Teller, sondern eine weitere Alternative sowie eine Verbesserung des Gebäcks: etwas weniger Zucker, etwas mehr Ballaststoffe und Nährstoffe als bei einem klassischen Rührkuchen. Genau darin liegt der Vorteil.

Gemüsekuchen im Familienalltag

Besonders für Familien sind Gemüsekuchen praktisch: Ein Stück Brownie oder Muffin eignet sich auch als Snack für unterwegs und lässt sich gut vorbereiten (siehe Blogartikel „Meal Prep"). Dabei muss das Gemüse nicht heimlich versteckt werden. Kinder dürfen ruhig wissen, was im Kuchen steckt. Wer gemeinsam backt, erlebt Gemüse positiv und unaufgeregt, und genau das prägt langfristig Essgewohnheiten. Denn Kinder lernen vor allem durch Wiederholung und Vorbilder. Und auch wenn Ihr Kind einem Gemüse normalerweise skeptisch gegenübersteht, gelingt die Akzeptanz vielleicht durch ein entsprechendes Kuchenstück mit genau diesem Gemüse. Wird Rote Bete beispielsweise nicht gemocht, probieren Sie es doch mal mit Rote-Bete-Brownies und verraten Ihrem Kind, nachdem es festgestellt hat, wie lecker diese sind, was in den kleinen, saftigen Schnitten steckt. Bestimmt wird es überrascht sein und feststellen, dass Rote Bete ja gar nicht so schlecht oder „schlimm“ ist.

Gut geeignet sind zum Beispiel:

  • Rote Bete (Brownies, Schokokuchen)
  • Karotten (klassischer Rüblikuchen, Muffins)
  • Zucchini (Brot, Schokokuchen)
  • Kürbis (Blondies s. Rezept, Rührkuchen, Muffins)
  • Süßkartoffel (Brownies, Blondies)
  • Pastinake (Rührkuchen, ähnlich wie Karotte)

Für die ganz Kleinen gilt wie bei jedem Gebäck: Zucker bewusst dosieren und bei Kindern unter einem Jahr auf Honig verzichten.

Ein berühmter Klassiker ist der Bubikopf: Gartenkresse in der Eierschale

Fazit: 

Gemüse im Kuchen macht ihn saftiger, kann Zucker einsparen und liefert etwas mehr Ballaststoffe und Nährstoffe. Ein Ersatz für die tägliche Gemüseportion ist es nicht, aber eine einfache Möglichkeit, Gebäck zu verbessern und saisonales Gemüse vielseitig zu nutzen. Es geht, wie so oft, nicht um Perfektion, sondern um Variation. Ob Kuchen mit oder ohne Gemüse: Entscheidend ist nicht die perfekte Zutatenliste, sondern ein entspannter Umgang mit Süßem im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung. Und wer dabei etwas Neues ausprobiert, hat schon gewonnen.

Intuitiv essen mit Melina
Hier schreibt unsere Autorin: 

Melina Will ist Ernährungsberaterin und seit 2022 Partnerin der Amperhof Ökokiste. Über ihren Blog GewusstVegan sind wir auf sie aufmerksam geworden. Melina verblüfft uns mit ihren unkomplizierten und alltagstauglichen Rezepten, die rein pflanzlich sind. Wer ihre Rezepte kennt, weiß, dass sie bodenständig und authentisch kocht ohne Trends nachzueifern. Melina schreibt für uns über monatlich wechselnde Themen, lässt uns teilhaben an ihrem Fachwissen über Ernährung, ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem Weg zum intuitivem Essen. Folgen Sie uns und Melina auch in den sozialen Medien.
 

Rote Bete Brownies
zubereitet von unserer Partnerin Melina Will von GewusstVegan