Bei einem Ausflug zum Ammersee empfehlen wir unbedingt einen Zwischenstopp beim Biohof von Ulrich Ernst zu machen. Hier schauen Sie im Vorbeifahren gerne aus dem Fenster, denn mindestens
eines der mobilen Hühnerställe auf einer der weitläufigen Wiesen fällt Ihnen sofort ins Auge. Am kleinen Verkaufsautomaten nehmen Sie sich gerne noch eine Packung frische Bio-Eier mit und was
bisher weniger bekannt ist: ein Wein darf's vielleicht auch noch sein? Denn der Biohof auf der Ostseite des Ammersees zwischen Schondorf und Utting hält noch viel mehr bereit als auf den
ersten Blick zu erkennen ist.
Seit 2007 wächst bis maximal ein Kilometer entfernt vom See auf vier Flächen Wein, hauptsächlich der Rebsorte Sauvignac. Das ist eine Kreuzung aus Riesling und Sauvignon blanc, die sich
besonders resistent gegenüber gängigen Weinkrankheiten zeigt. Somit sind sie von Haus aus widerstandsfähig, zukunftsorientiert und nachhaltig.
Doch Wein am Ammersee gab es bereits vor 2.000 Jahren, den die Römer mit sich brachten. Noch heute sichtbar und begehbar ist der Römerberg auf dem Weingut. Er kann bei einer Weintour
besichtigt werden und auf ihm stehen heute noch die Linden eines ehemaligen Biergartens, von dem aus Sie einen herrlichen Blick auf den gesamten Biohof sowie das Treiben auf dem See haben.
Die Römische Villa Rustica, welche sich zur Römerzeit auf den Feldern des Hofes befand, hatte damals den Auftrag, die in der Region lebenden Soldaten und Beamten mit Lebensmitteln und mit
Wein zu versorgen. Die kalziumhaltigen Gletscher-Böden eigneten sich sehr gut, um aromenreiche Weine anzubauen. Begünstigt wird der Weinanbau hier auch durch den Ammersee, der als
viertgrößter Süßwasserspeicher zusätzliche Wärme spendet sowie durch etwa 30 Föhntage pro Jahr, die warme Luft aus den Alpen bringen. Im anerkannten bayerischen Weinbaugebiet Franken
hingegen gibt es nur 3 Tage Föhn.
Auf den Wein kam Ulrich Ernst während seines Studiums zum Agraringeneur mit Nebenfach Weinbau. Damals wusste er noch nicht, was auf ihn zukommen wird. Den Milchviehbetrieb des Vaters
wollten Ulrich und seine Brüder in der bisherigen Form nicht weiterführen. Die in 14. Generation arbeitende Bauern-Familie ist auch in der Fischerei am Ammersee tätig. Der Biohof umfasst
heute 95 Hektar landwirtschaftliche Flächen, auf denen Hühner und Rinder weiden sowie verschiedene Kulturen angebaut werden. Hinzu kommen der Hochseilgarten und das Labyrinth am See. Doch
der Wein ist das Herzstück.
Noch ist der Ammersee kein anerkanntes (bayerisches) Anbaugebiet. Doch Ulrich hat bisher hart dafür gekämpft und ist auf dem besten Weg dahin. Mit seinem Weinkeller-Partner Fischborn aus
Rheinhessen und den Rebsorten Sauvignac, Souvignier Gris, Solaris, Muscaris und Cabernet Jura hat er preisgekrönte Weine geschaffen. Den PIWI-Weinpreis für nachhaltigen Weingenuss und
innovative Rebsorten haben bereits einige seiner 2025er Jahrgänge verliehen bekommen.
Weinkennerin Romana Echensperger, die seit 2015 den Titel Master of Wine trägt, hat den Sauvignac 2023 FEINHERB beschrieben: Spritzig, hellgelb mit zartgrünen Reflexen zeigt sich dieser
Sauvignac im Glas. Das Bukett fällt intensiv und fruchtbetont aus. Im ersten Eindruck dominieren Aromen von Stachelbeeren, Zitronenmelisse und Minze. Nach etwas Schwenken kommen Noten von
weißen Johannisbeeren und Aprikosen zum Vorschein. Der Auftakt am Gaumen ist herrlich saftig und animierend. Die feine Süße unterstreicht die intensiven Fruchtaromen, wobei die frische
Säure und Spritzigkeit für die nötige Balance sorgt. Der Wein verfügt über einen mittelkräftigen Körper und noch lange schmecken die Fruchtaromen nach. Es ist ein saftiger, aromatischer und
frischer Weißwein für all diejenigen, die es gerne dezent fruchtsüß mögen.
Somit ist klar: Die Idee der Römer, hier Wein anzubauen, war damals und ist heute, verdammt gut!