Einkaufen ist noch immer weiblich

Mehr als die Hälfte aller Menschen auf der Welt sind Frauen. 
70 Prozent aller Armen auf der Welt sind Frauen. 
Frauen leisten mehr als zwei Drittel der unbezahlten Care-Arbeit. 
Und nur gerade mal 1 Prozent des weltweiten Landbesitzes ist in ihren Händen.

Im Angesicht dieser Tatsachen steht für uns fest: solange die Chancen und Möglichkeiten für Frauen auf dieser Welt so ungleich sind, so lange müssen wir jede Möglichkeit nutzen, um über die Fakten (und wie sie zu verändern sind) zu sprechen, uns gegenseitig zu unterstützen und zu inspirieren.

Auch was und wie wir essen ist hiervon nicht ausgenommen. Es gibt eine Vielzahl an Faktoren, die beeinflussen, warum Menschen essen was sie essen - angefangen bei kulturellen Normen und Traditionen, zu individuellen Vorlieben und gesundheitlichen Bedürfnissen bis hin zu Geschlechterstereotypen.

Warum Männer seltener vegan oder vegetarisch leben als Frauen

Putzen ist politisch - Einkaufen auch!

Denn in Deutschland übernehmen Frauen immer noch 80 Prozent der Sorgearbeit. Sie kümmern sich um Kinder oder Pflegebedürftige, halten den Haushalt in Ordnung, planen Mahlzeiten und Feiern, kaufen dafür die Lebensmittel und kochen. Der riesengroße Haken: alles unbezahlt, auf Kosten der Karriere, und am Ende mit zu niedriger Rente. Die meiste unbezahlte Care-Arbeit erledigen in Deutschland Frauen mit Kindern. Sie kümmern sich im Schnitt 5,2 Stunden pro Tag um Haushalt und Familie. Männer beteiligen sich dagegen nur mit durchschnittlich 2,3 Stunden.

Deswegen gibt es seit ein paar Jahren den „Equal Care Day“ am 29. Februar. Dieses Datum gibt es nur in Schaltjahren, sonst wird der Tag einfach übergangen - er bleibt unsichtbar wie bisher meist auch die Sorgearbeit. Das Ziel: Frauen und Männer sollen die Sorgearbeit fair aufteilen können. Das geht nicht im Privaten, sondern nur mit Veränderungen in der Gesellschaft, mit politischen Weichenstellungen und einem veränderten Arbeitsleben.

Auch im Bio-Handel kaufen deutlich mehr Frauen ein als Männer. Denn viele Paare setzen ab dem ersten Kind stärker auf Bio und gesunde Ernährung. Der „Gender Care Gap“ führt dann auch in jungen Familien dazu, dass Frauen deutlich häufiger als Männer zuständig sind für Haushalt, Kinder und den Einkauf. Kittelschürze und Beton-Dauerwelle sind out, aber die Fünfzigerjahre haben wir trotzdem noch längst nicht gründlich rausgelüftet aus Alltag und Politik.

Warum Männer seltener vegan oder vegetarisch leben als Frauen

Männer am Herd – welches Essen erscheint vor deinem inneren Auge?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du eher an Schnitzel denkst als an ein Blumenkohl-Curry. Denn Rollenklischees beeinflussen unsere Vorstellung davon, welches Essen „männlich“ und welches „weiblich“ ist.

Und das prägt bis heute auch unser Essverhalten: Männer in Deutschland essen fast doppelt so viel Fleisch und Wurst wie Frauen, und sie trinken auch viel mehr Alkohol. In fast allen Teilen der Welt gibt es deutlich mehr Frauen als Männer, die vegan oder vegetarisch leben. Aber warum?

Die soziologische Forschung zeigt: Viele Männer essen mehr Fleisch, um so zu ihre Männlichkeit zu beweisen. Tatsächlich konnte in Studien die bloße Auflistung der vegetarischen Lebensmittel, die eine Person gerne isst, ausreichen, um sie auf andere weniger „männlich“ wirken zu lassen. Und tatsächlich müssen ja viele immer noch hören, dass Fleisch groß und stark macht, während Mädchen sehen, wie ihre Mütter Diäten ausprobieren oder wie „Influencerinnen“ sich vor allem um Äußerlichkeiten kümmern.

Die Forschung ist sich heute weitgehend einig: Unterschiedliche Vorlieben beim Essen sind das Ergebnis unserer Kulturgeschichte und nachhaltig eingeschliffen. Gar nicht soo lange her: Der Hausherr saß am Kopfende des Tischs, wurde zuerst bedient und bekam das beste Bratenstück. Bis heute ist Grillen oft „Männersache“, gerne mit einem Bier in der Hand. Die Frauen bereiten im Hintergrund den Salat zu und decken den Tisch. 

Biomärkte führen bereits seit vielen Jahren eine große Auswahl an veganen und vegetarischen Alternativprodukten.

Oft sind diese nicht nur mit weniger Zutaten biologisch produziert, sondern auch fair gehandelt und regional erzeugt. In Bioläden findest du also die wohl größte Auswahl an nachhaltigen Lebensmitteln.

(Quelle: Öko statt Ego vom 13.03.2023 und vom 06.03.2023)